Betriebserfahrungsaustausch der Vereinigung Saarländischer Bergingenieure e.V. beim Bezirksverein Clausthal vom 26. – 29.09.2018

Foto: Werner Heider

Ottiliae Schacht

Foto: Werner Heider

Kameraden beim Studieren der Speisekarte

Am Mittwoch 26.09.18 gegen 10:30 Uhr machten sich die Kameraden der Vereinigung Saarländischer Bergingenieure e.V. auf den Weg zum Betriebserfahrungsaustausch mit den Kameraden vom Bezirksverein Clausthal. Nach rund 480 km kamen wir gegen 17:00 Uhr im Hotel Hubertushof in Goslar an.

Dort erwarteten uns schon Günter Knoke und Günther Pape vom BV Clausthal. Nach kurzer Begrüßung ging es dann in das ca. 10 Minuten fußläufig zu erreichende Lokal „Wirtshaus an der Lohmühle“. Der Kollege Peter Koch konnte krankheitsbedingt nicht kommen, an dieser Stelle auch im Nachhinein noch gute Besserung von allen Kameraden von der Saar.

Im Lokal warteten bereits die Kameraden Jens Wehrmaker und Marc Roßmöller, ebenfalls vom BV Clausthal. Bei hervorragendem Essen und Getränken konnten sich alle untereinander vorstellen und Ihre bisherigen beruflichen Erfahrungen austauschen.

Am nächsten Morgen ging es bereits kurz nach 7:00 Uhr mit einem kleinen Bus zur Informationsstelle „Info Konrad“ in Salzgitter-Lebenstedt.  Unterwegs durften wir immer wieder über Günter Knoke‘s profundes Wissen zu Kultur und Geologie der Umgebung staunen. In der Infostellen Konrad konnten wir uns über die Schachtanlage Konrad, ein stillgelegtes Eisenerz-Bergwerk in Salzgitter-Blecksenstedt, an einem Schaumodell, mehren Präsentationwänden und Bildschirmen vorab ausführlich informieren und den beiden kompetenten Mitarbeitern der Infostelle alle unsere Fragen stellen.

 

Foto: Werner Heider

Dampflok am Ottiliae-Schacht

Foto: Werner Heider

Günter Knoke bei seinen Erläuterungen

Die Schachtanlage Konrad ist das jüngste der ehemaligen Eisenerzbergwerke im Raum Salzgitter. Die Eisenerzlagerstätte des Gifhorner Troges erstreckt sich über eine Länge von etwa 60 Kilometern und einer Breite von 8 bis 15 Kilometern.

Das Bergwerk mit der Schachtanlage Konrad wird bis ca. 2032 zum Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung umgebaut. Das sind 90% aller Atomabfälle Deutschlands, aber dieser beinhaltet nur 0,1 % des Radioaktivitätsabfalls. 10% des Gesamtabfalls beinhalten daher 99,9 %  Radioaktivität und können hier nicht eingelagert werden.

Nach ca. 1 Stunde ging es dann zur Schachtanlage Konrad. Hier wurden wir bereits von Jens Wehrmaker, und Uwe Schickedanz, beide Steiger auf Schacht Konrad, begrüßt.  Im Besucherbegrüßungsraum wurden wir von Christian Islinger, Geologe und mit zuständig für Besucherfahrten, über den Sauerstoffselbstretter SSR, das notwendige Verhalten im Allgemeinen und im Gefahrenfalle (z.B. bei einem Brand oder anderen Ereignissen, die die sofortige Evakuierung erforderlich machen) und die Lage der Lagerstätte sowie den Weg der ca. 2-3 stündigen Besucherbefahrung informiert.

Nach dem Umziehen Im Besucherbad mit roten Besucheroveralls, Sicherheitsschuhen und Helm mit Sicherheitsbrillen ging es dann Richtung Lampen- und Gehörschutz- bzw.  Funk-Infotainment- Ausgabe und dann direkt zum Schacht zur Untertagebefahrung.

Nach ca. zweiminütiger Seilfahrt waren wir auf der 3. Sohle angekommen. Von hier fuhren wir dann in einem dieselgetrieben, 16 Besucher fassenden Fahrzeug mit den Begleitern Jens Wehrmaker und Christian Islinger weiter.

Zunächst ging es in mehreren Wendeln zur 4. Sohle an verschiedenen Werkstätten, Lagern und Arbeitsstellen vorbei.

Foto: Werner Heider

Untertage im Schacht Konrad

Foto: Werner Heider

Untertage Seil-Messsysteme

Bei mehreren Haltepunkten konnten uns die beiden Begleiter ausführlich über die aktuellen Arbeiten und Techniken auch über Forschungs- und Explorationsarbeiten informieren.

Der krönende Abschluss vor der Ausfahrt war ein Gruppenfoto in einer extra dafür hergerichteten Strecke mit Schaubildern und Infotafeln zu den geplanten Arbeiten, Endlagerstätten etc.

Nach der Ausfahrt konnten wir dann bei einer köstlichen Linsensuppe noch offene oder sich neu ergebende Fragen stellen und verschieden Standpunkte diskutieren.

Insgesamt darf man wohl sagen, dass der ganze Ablauf für Besucher sehr kompetent und professionell arrangiert ist.

Nach dem Duschen und Umziehen konnten wir Herr Christian Islinger und seinen beiden Küchenhelferinnen noch mit einem kleinen Gastgeschenk aus dem Saarland danken, bevor es nun zum Salzgitter Hütten- und Flachstahlwerk ging.

Im Besucherzentrum wurden wir von Herr Kaminski begrüßt. Auch hier gab es neben einer Verhaltensinfo während der Begehung auf dem Firmengelände noch für jeden eine Sicherheits-ausrüstung bestehend aus Helm, Schutzbrille, Lichtschutzfolie und Funk-Infotainment-Gerät.

Dann ging es mit dem Bus über das Firmengelände zum 60 m hohen Rohstahlofen.

Hier konnten wir beim laufenden kontinuierlichen Prozess der Eisen- bzw. Stahlherstellung einem Abstich beobachten.

Ein Hochofen ist ca. 2 Jahre rund um die Uhr in Betrieb, er wird dabei dauernd mit einem Gemisch, dem sogenannten Möller, aus Koks, Erz und Zusatzstoffen wie Kalk wechselseitig über Bänder befüllt.

Im Hochofen wird der Möller langsam von unten erhitzt bis zu Schmelztemperatur des Erzes (ca. 1.400 Grad), dabei verbrennt der Koks und das sich verflüssigende Erz und die Schlacke sinken nach unten. Nun wird nach vorheriger Probenahme durch einen Stich durch den ca. 2m dicken Schamott der flüssige Stahl und die Schlacke abgestochen. Die leichtere obenauf schwimmende Schlacke wird abgetrennt und einer späteren Weiterverarbeitung, u.a. zu Straßenbelag, Granulat oder in der Baustoffindustrie, zugeführt.

Der schwerere Flüssigstahl fließt in die bereitstehenden Bahntransportgefäße (Torpedopfannen).

Beim Beobachten des flüssigen Stahls und der Schlacke waren die Schutzfolien (ähnlich einem Schweißschutzschild) sehr hilfreich.

Die gefüllten Torpedopfannen werden dann ins Flachstahlgebäude gefahren. Hier werden aus dem flüssigen Stahl Brammen (max. 0,25 x 2.60 x 6,00 m) oder Stahlstränge gegossen.

Durch Zugabe von Zusatzstoffen wie Chrom, Mangan, Zink, Zinn, Kupfer etc. kann eine Vielzahl von Stählen exakt auf Kundenwunsch und -vorgabe erzeugt werden.

So werden die Brammen im Warm- wie Kaltwalzwerk auf die gewünschten Abmessungen gebracht und können auch weiter behandelt werden. So werden diese Bleche entzundert, aufgeraut oder auch verzinkt.

Salzgitter Flachstahl ist die größte Stahltochter in der Salzgitter Gruppe. Ca. 5.600 Mitarbeiter erzeugten 2017 etwa 4,7 Millionen Tonnen Rohstahl.

Die wichtigsten Abnehmer der Flachprodukte sind Fahrzeughersteller sowie deren Zulieferer, Röhren- und Großröhrenhersteller, Kaltwalzer und die Bauindustrie. Salzgitter Flachstahl produziert in einem integrierten Hüttenwerk Warmbreitband, Bandstahl, Bandblech, Kaltfeinblech und oberflächenveredelte Produkte von 0,4 bis 25 mm Dicke und bis zu 2.000 mm Breite. Zum Herstellungsprogramm gehören Zieh-, Tiefzieh- und Sondertiefziehstähle, Bau- und Feinkornstähle sowie hoch- und höchstfeste Stähle.

Das Lieferprogramm der Salzgitter Flachstahl GmbH umfasst neben den zuvor genannten Stählen weitere innovative Produkte wie hochfeste mikrolegierte Stähle sowie Mehrphasenstähle, z. B. für den Einsatz in crashrelevanten Bereichen der Fahrzeugkarosserie höchstfeste Martensitphasenstähle, z. B. für die Herstellung von Seitenaufprallträgern zur Steigerung des Insassenschutzes im Bereich der Fahrgastzelle, Vormaterial für die Herstellung von Rohren z. B. zum Innenhochdruckumformen organisch dünnfilmbeschichteter Feinbleche mit verbesserten Korrosionsschutzeigenschaften, insbesondere für den Einsatz in Karosseriehohlräumen und Flanschen, elektrolytisch und feuerverzinkte Feinbleche in bester Oberflächenqualität z. B. für Automobilaußenhautteile.

Nachdem wir uns im Besucherzentrum von Herr Kaminiski für die sehr interessante Führung mit einem typisch Saarländischen Geschenk, einer Flasche „Saarländer Schnaps“ bedankt hatten, ging es zurück nach Goslar.

Auf dem Weg in die Altstadt, wo wir in einem kleinen Straßenrestaurant in der Fußgängerzone ein Abendessen einnahmen, gab Günter Knoke wieder einen Teil seines Wissens um Goslar, seine Entstehung und Entwicklung von der Kaiserpfalz bis heutigen Stadt preis.

Am nächsten Tag, Freitag, 28.09.18, fuhren mit dann zum Oberharzer-Bergbaumuseum Clausthal.

Hier empfingen uns auf dem Gelände des Schacht Kaiser Wilhelm II. Herr Alig und Lothar Kalhla.

Zunächst erklärte uns Lothar Kahla anhand der zahlreichen Ausstellungsstücke und einem extra für die Weltausstellung in Chicago 1894 erstelltem Tisch-Modell von ca. 2,50 x 4,00 m des Harzes die Entwicklung der Teiche und der dafür notwendigen Wasserzuläufe (Gräben und Röschen). Das Wasser wurde für die Förderung und Weiterverarbeitung über Wasserräder genutzt. Erst später zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden nach und nach Dampfmaschinen eingesetzt, da das Wasser insbesondere im Sommer und in trockenen Jahren nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung stand.

Nach der Theorie ging es dann zur Befahrung der Dorotheer-Rösche. Hier hielt Herr Kahla schon in seinem PKW-Anhänger für jeden Gummistiefel, Helm und Gummischutzjacke bereit.

In ca. 2 Stunden ging es durch teilweise knietiefes Wasser durch die unterschiedlich hohen (eher niedrigen) Tunnel und Röhren (teilweise nur ca. 1,30 m hoch, 60 cm breit), die mit verschiedenen Ausbauten versehene Rösche.

Foto: Werner Heider

Befahrung der Dorotheer-Rösche

Foto: Werner Heider

Roland Eckert in der Dorotheer-Rösche

Alle waren froh am Ende nach dem Aufstieg über vier 5m-Fahrten (Aluleitern) aus dem 20 m tiefen Caroliner Wetterschacht neben dem Gelände der Sympatec GmbH das Tageslicht wieder zu sehen.

Nachdem wir uns bei Herr Lothar Kahla für die äußerst interessante Führung und kompetente Erklärungen bedankt hatten, ging es weiter zum Ottiliae-Schacht.

Der Ottiliae-Schacht liegt westlich von Clausthal-Zellerfeld auf einer Anhöhe zwischen dem Zellerfelder und dem Clausthaler Tal (Bremerhöhe), die dort in das Innerstetal münden. Der Schacht ist kein eigenständiges Bergwerk, sondern diente als zentraler Hauptförderschacht für die Erze (silberhaltiger Bleiglanz und Zinkblende) des Rosenhöfer, Burgstätter und Zellerfelder Gangzuges. Er gilt als Teil der Grube Rosenhof. Benannt ist der Schacht nach dem preußischen Berghauptmann Ernst Hermann Ottiliae (1821–1904).

Hier fand heute ein Fest der Pro-Dampf-Osterode statt. Dazu wurden alte instandgesetzte E-Loks, Diesel- und Dampfloks vorgeführt. Hier möchten wir uns ganz herzlich für die Sonderführung mit Frau Ute Pötig bedanken, die uns ins Wasserschloss unter der Rasenhängebank am Ottiliae-Schacht führte.

Drei verschiedene Wasserzuführungen garantierten vor der Umstellung auf Dampftechnik, genügend Wasserkraft für die Förderung und Aufbereitung der Erze.

Neben den verschiedenen Übertageloks wurde auch die Seilführung als Endlosblindschleife (keine Korbanbindung) in Betrieb genommen und dem Publikum vorgeführt.

Den Ausklang des gelungenen Tagesausflugs beendeten wir mit den Kameraden des BV Clausthal im Hubertushof.

Unser Dank für die Betreuung und das gelungene 3-Tagesprogramm gilt neben den Kollegen Jens Wehrmaker, Uwe Schickedanz und Marc Roßmöller, besonders und ganz herzlich dem Kollegen Günter Knoke.

Sein Engagement, sein Wissen um Kultur, Geologie und Bergbau rund um den Harz ist einmalig und hat uns immer wieder erstaunt.

Gruß + Glückauf

Roland Eckert

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