71. VSB-Treff: Energiewende – Das Energiesystem im Umbruch

 

Foto: Werner Heider

Der Raum füllt sich, ein gut besuchter VSB-Treff mit 31 Teilnehmern

In unserem Domizil, dem Naturfreundehaus in Friedrichsthal konnte der 1.Vorsitzende Reinhard Marian am Sonntag, 25. März 2018, 31 Kameraden, Gäste und Freunde der VSB bei der 71. Auflage unserer Vortragsreihe „VSB-Treff“ begrüßen.
Ein ganz besonderes herzliches Glückauf richtete der 1.Vorsitzende bei seinen Begrüßungsworten an den Referenten des Morgens, Herrn Dipl.-Ing. Franz-Josef Blug.
Seit 1979 ist Herr Blug im Bereich der Energieversorgung bei STEAG und deren Vorgängergesellschaften tätig. In der Zeit von 1998-2009 oblag ihm die Leitung des Bereichs Energieleitzentrale mit den Themen Kraftwerkseinsatz, Regelenergievermarktung und Netzführung. Mit der Liberalisierung des Strommarktes um das Jahr 2000 war Dipl.-Ing. Blug verantwortlich für den Aufbau der Handelskompetenz und des Regelenergiegeschäfts und ab 2004 wesentlich beteiligt beim Aufbau des virtuellen Regelenergiekraftwerks Saarenergie GmbH. 2009 bis 2013 war er Leiter des Bereichs Netzbetrieb und Systemdienstleistungen. Mit der Gründung der STEAG Technischer Service GmbH in 2013 übernahm er die Leitung für den Bereich Energieanlagen und parallel dazu von 2014 bis 2017 die Geschäftsführung der STEAG Netz GmbH.

Foto: Werner Heider

Startseite der Präsentation

Franz-Josef Blug begann seinen Vortrag mit der Kurzvorstellung der Struktur der STEAG GmbH.
STEAG ist ein Verbund von mehreren Stadtwerken der Städte Dortmund (36% Anteile), Duisburg (19 %), Bochum (18 %), Essen (15 %), Oberhausen (6 %) und Dinslaken (6 %). Die Haupthandlungsfelder sind das Betreiben und das Versorgen von Kraftwerken, das Vermarkten von Strom und Fernwärme und das Verwerten von Energie und Rohstoffen in Deutschland, auf der Basis von fossilen und erneuerbaren Energieträgern sowie das Verwerten von Kraftwerksnebenprodukten.
STEAG wies Ende 2016 einen Umsatzerlös von rund 3,87 Milliarden Euro aus. Die Mitarbeiterstärke lag bei 6.100, davon 3.600 in Deutschland. Im Saarland betreibt STEAG die Kraftwerke Fenne (Bruttoleistung 508 MW, Fernwärmeleistung 636 MW), Weiher (Bruttoleistung 724 MW, Fernwärmeleistung 30 MW) und Bexbach (Bruttoleistung 780 MW). In NRW betreibt STEAG noch weitere 4 Kraftwerke, sowie das Raffinerie-Kraftwerk in Leuna (Sachsen-Anhalt), die Thermische Abfallbehandlung in Lauta (Sachsen) und das Windprojekt Ullersdorf in Brandenburg. International betreibt STEAG das Kohlekraftwerk Termopaipa IV in Kolumbien, den Windpark Crucea Nord in Rumänien, das Kohlekraftwerk Mindanao auf den Philippinen, das Kohlekraftwerk Vishakhapatnam in Indien, das Kohlekraftwerk Iskenderun in der Türkei sowie das Solarkraftwerk Arenales in Spanien und ist in über 30 Ländern der Erde mit weiteren Energieprojekten betraut bzw. beteiligt.
Der Auslöser der der System-Veränderung beruht auf politischen Entscheidungen durch das Energiewirtschaftsgesetz mit der Liberalisierung des Strommarktes mit der Vorgabe der Trennung von Erzeugung, Handel und Netz, dem Gesetz zum Ausbau der Erneuerbaren Energie mit der gleichzeitigen Vorrangstellung der Erneuerbaren Energie, der Netzgeldverordnung mit dem regulierten Netzgeschäft und dem Gesetz zur Digitalisierung des Energiegeschäfts mit IT gestützten Prozessen mit sehr hohen Sicherheitsanforderungen.

Wie sieht die Bruttostromerzeugung in Deutschland nach den jeweiligen Energieträgern in der Zeit von 2009 – 2016 aus?
In der unten stehenden Tabelle sind die Energieträger nach ihren Anteilen in Prozent der Größe nach gelistet:

Energieträger nach Versorgungsanteil

Sehr deutlich ist zu erkennen, dass die fossilen Energieträger noch den Löwenanteil der Energieversorgung zu tragen haben. Der Anteil der Erneuerbaren Energie ist von 16,4 % in 2009 auf 29,5 % in 2016 gestiegen. Die Ziele der Politik liegen in 2025 bei einem Anteil der Erneuerbaren bei 40-45 %, im Jahr 2035 bei 55-60 % und im Jahr 2050 bei 80 %. Dies bedeutet aber gleichzeitig, dass die Speicherkapazität für elektrische Energie drastisch ausgebaut werden muss. Denn ohne die Möglichkeit Strom in großen Mengen zu speichern, um ihn dann in Spitzenlastzeiten in entsprechender Menge abrufen zu können. Wind- und Sonnenstrom basiert auf natürlichen Gegebenheiten, ist nie konstant und zeitlich unberechenbar. Dies bedeutet, das herkömmliche Energiekraftwerke die Versorgung sicherstellen müssen, auch dann, wenn in den dunklen Stunden des Tages die Energieverbrauchsspitzen abgedeckt werden müssen. Und dies gilt erst recht in Wintermonaten mit weniger Sonnenstunden für die Photovoltaikanlagen. Deutschland liegt mit gerade einmal 1.650 Sonnenstunden / Jahr nicht gerade auf der Sonnenseite der Energieversorgung in diesem Bereich. Kohlekraftwerke sind zusammen mit Gaskraftwerken die sogenannte Feuerwehr, wenn Flaute herrscht und die Sonne nicht scheint. Gerade in den dunklen Wochen im Januar 2017 mussten alle Kohle-, Öl-und Gaskraftwerke ans Netz gehen, um den Ausfall der Ökostrom-Produktion zu kompensieren, schrieb die Zeitschrift „Welt“. Es habe nicht viel gefehlt bis zum Blackout. . .

Foto: Werner Heider

Reinhard Marian bedankt sich bei dem Referenten Franz-Josef Blug (re.)

Der Verbraucher stöhnt ebenfalls unter der Energiewende, die seit 10 Jahren den Verbrauchern immer tiefer in die Tasche greift. 2017 betrug der Anteil der Steuern und Abgaben beim Strompreis schon 55 %, dabei allein der Anteil der EEG-Umlage 23,6 %! In Eurocent ausgedrückt stieg die EEG-Umlage von 2,047 Cent/KWh im Jahr 2010 auf mittlerweile 6,880 Cent/KWh im Jahr 2017. Letztendlich bleibt vorab eine sehr harte Nuss zu knacken, das große Problem der Energiespeicherung. Denn wenn die Politik sich in den nächsten 10 -30 Jahren von den fossilen Energieträgern lossagen möchte, muss diese Problem vorrangig gelöst sein und wie es zurzeit in diesem Sektor der Speichermöglichkeiten in Deutschland technisch aussieht, ist dies der berühmte Gordische Knoten. Es fehlt an allen Ecken und Kanten. Besonders Grüne Politiker wissen anscheinend nicht was Vorhaltung (darunter fallen auch die Speicher) in der Energieversorgung bedeutet. Nur Abschalten und Stilllegen reicht da nicht aus. In einer Zeit, in der wir am Ende dieses Jahres 2018 die Steinkohlenförderung in Deutschland einstellen werden, aber die Steinkohleförderung weltweit auf über 7,5 Mrd. t ansteigt, kann und bleibt deshalb auch die Frage des globalen Klimaschutzes nicht an Deutschland hängen. Aber wir haben ja da noch die Möglichkeit unseren nicht speicherbaren, aber produzierten Windstrom zu Billigpreisen nach Österreich zu verkaufen, die dann damit ihr Wasser in ihren Pumpspeicherkraftwerken noch billiger nach oben pumpen. Und sollten wir einen Energieengpass in Deutschland bekommen, dann haben wir ja wieder die Möglichkeit im europäischen Stromverbund den Atomstrom aus Frankreich und den dann teureren Wasserstrom aus den Pumpspeicherkraftwerken aus Österreich zu kaufen. Die Energiewende ist notwendig, aber der Weg, der in Deutschland, besonders durch verschiedene politische Strömungen vorgegeben wird, ist für den LKW mit der Aufschrift „Energieversorgungssicherheit für Deutschland“ durch seine vorhandenen Schlaglöcher nicht zu befahren.

 

Am Ende der Veranstaltung bedankte sich Reinhard Marian bei dem Referenten Franz-Josef Blug mit kleinen Geschenken. Des Weiteren konnte Reinhard Marian einige VSB-Kameraden für ihre oftmalige Teilnahme an unseren VSB-Treff Veranstaltungen ehren.

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(von rechts) Glückwünsche an Walter Franz, Karl-Heinz Hugo und Gerhard Bick

10x dabei waren die Kameraden Karl-Heinz Hugo, Walter Franz und Gerhard Bick,

 

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(von links) Glückwunsch an Harald Hinsberger, Michael Schröder, Josef Jäger durch Reinhard Marian

20x dabei waren die Kameraden Harald Hinsberger und Michael Schröder und für 30malige Teilnahme wurde Josef Jäger geehrt.

 

 

Reinhard Marian

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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